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Presse Liebe Journalisten, Wenn Sie grundsätzlich bei Ihrer Berichterstattung darauf achten, Dinge die sie über Schwule oder Lesben nicht schreiben würden, auch bei Sadomasochisten nicht zu verwenden, kann nicht mehr viel Schiefgehen. Oft zu findende Vorurteile behandeln wir nun: Sadomasochisten sind krank. Das soll vorkommen, Grippe, Schnupfen und andere Erkrankungen gehen leider auch an SMlern nicht vorbei. Die sexuelle Neigung an sich hinterlässt hingegen keine sichtbaren Veränderungen am Menschen und wird seit vielen vielen Jahren auch in der medizinischen Literatur nicht mehr als Krankheit betrachtet. Zumindest dann nicht, wenn der SMler weder sich selbst noch anderen Schaden zufügt, aber in diesem Punkt unterscheidet er sich ebenfalls nicht vom Rest der Menschheit. Sadomasochismus ist gleichbedeutend mit Gewalt und Missbrauch. Vorsicht vor äußerem Anschein, Gewalt ist gescheiterte Kommunikation, BDSM ist gelungene Kommunikation und ebensowenig Gewalt wie ein Zeitungsartikel ein Blindtext ist, auch wenn sich beide aus der Ferne ähnlich sehen mögen. Sodomasochisten handeln in Ihrer Sub-Kultur nach dem Grundsätzen SSC. Eine Abkürzung, die "safe, sane & consensual", also "sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich" bedeutet und damit eine klare Abgrenzung zu Gewalt und Missbrauch darstellt. Sadomasochisten lieben Schmerzen. Das kann sein, muss aber nicht. Vielmehr treffen bestimmte Vorlieben nur auf einzelne Personen zu. Viele Sadomasochisten können Schmerzen nichts abgewinnen. Ihre Spiele drehen sich um Macht, Unterwerfung und Demütigung. Grundsätzlich funktioniert SM auch nur im sexuellem Kontext, einer Beschimpfung durch einen Fremden oder Zahnschmerzen, kann kein SMler etwas erregendes abgewinnen. Sadomasochismus wird von Menschen praktiziert, dennen normaler Sex zu langweilig geworden ist. Die meisten Sadomasochisten entdecken früh, meist schon vor der Pubertät, was sie wollen. Der übersättigte Lustmolch, der mit SM-Praktiken seine Impotenz zu bekämpfen versucht, ist eher ein Vorurteil als die Realität. Umfragen haben ergeben das Neigungen wie Sadomasochismus oder Homosexualität in mehr als 60% aller Fälle bereits im Alter zwischen 12-16 Jahren entdeckt werden. Allerdings werden sie meist zunächst unterdrückt. Sadomasochismus ist ein Modetrend der letzten Jahre. Es ist hochmodern zu behaupten, es wäre so. Es ist ebenso modern über das Thema mehr oder weniger vorurteilsfrei zu berichten. Die Tatsache, das sie diesen Text bis hierher verfolgt haben, lässt in uns die Hoffnung aufkeimen einen dieser extrem fortschrittlichen Journalisten gefunden zu haben, die bei Ihrer Berichterstattung diejenigen Fragen, die sich wirklich auskennen: Die Praktizierenden. Frauen betreiben Sadomasochismus nur wegen des Geldes oder dem Freund zuliebe. Wen man die Kontaktanzeigen in Tageszeitungen liest muss man fast zwangsläufig darauf kommen. Der tatsächliche Frauenanteil in der nichtkommerziellen Subkultur liegt zwischen 30 und 50 Prozent. Umfragen ergeben ein ähnliches Bild. Und den beteiligten Frauen geht es, genauso wie den Männern auch, ums Vergnügen. Mehr unter http://www.datenschlag.org/umfrage/dpb1_ergebnisse02.html Dominante Frauen hassen Männer. Dominante Männer haben Angst vor selbstbewussten Frauen. Submissive Frauen sind Verräterinnen an der Frauenbewegung. Submissive Männer sind Weicheier. Jaja und alle Schwulen haben Angst vor Frauen, Emanzen brauchen mal einen Kerl der es ihnen richtig besorgt, und die Erde ist eine Scheibe. SM-Praktiken gefährden die Gesundheit. Wie bei allen Dingen im Leben, kann man sich auch beim SM verletzen. Wenn man eine Strasse überquert dann hällt man gewisse Regeln ein, die einem ein hohes Mass an Sicherheit geben, die andere Strassenseite sicher zu erreichen. Genauso verhält es sich beim SM. Verletzungen durch SM-Praktiken sind in der medizinischen Literatur extrem selten, klingen aber leider immer sehr viel spektakulärer, als dass, was einem beim Fussballspielen alles wiederfahren kann. Die Praktiken der SMler werden im laufe der Zeit immer extremer. Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, intensiver mit extremer zu verwechseln. Tatsache ist das man sich am Anfang weniger zutraut als später, doch das dürfte es überall geben. Welcher Fahranfänger würde sich in einem Formel-1-Auto sicher fühlen, welcher frischgebackene Pilot ein Raumschiff fliegen wollen. Wie bei allen anderen Dingen auch, hat jeder seine persönlichen Grenzen. Bis zu diesen wächst er, darüber hinaus nicht mehr. Das SM-Monster, mit einer Vorliebe für finstere Rituale, tötete seinen Nachbarn kaltblütig ... Es ist leider die Regel das Sadomasochismus außer mit käuflichem Sex, fast immer mit Verbrechen in Verbindung gebracht wird. Nicht selten entsteht dadurch der Eindruck vom Sadomasochisten zum Mörder sei es nur ein kleiner Schritt. Sadomasochismus kommt in allen Bevölkerungsgruppen vor, bei Ärzten, Pastoren, Polizisten, Klempnern, Journalisten, Bäckern, Angehörigen einer beliebigen Partei, Christen und Moslems. Niemand würde auf die Idee kommen vom Bäcker-Monster zu reden, nur weil der Mörder diesem Berufsstand angehört. Seien sie deshalb vorsichtig mit solch reißerischen Aussagen. Ein nicht unerheblicher Teil ihrer Leser sind Sadomasochisten. Statistisch betrachtet sogar ganz sicher mehr als Bäcker. Weiterführende Internetseiten Datenschlag.org Umfassende Sachtexte, Literaturverzeichniss und Lexikon Weiterführende Literatur Kathrin Passig / Ira Strübel: "Die Wahl der Qual: Handbuch für Sadomasochisten und solche, die es werden wollen", Rowohlt, Reinbek 2000 |